Mein Kampf mit der spanischen Sprache

Eigentlich sind die wichtigsten Schlachten alle schon geschlagen. Eigentlich habe ich dem Kastillano bereits wichtige Siege abgerungen und wenn man es recht bedenkt bin ich ganz glimpflich aus den Gefechten davongekommen.

Und doch – Tag fuer Tag bleibt ein kleiner Kampf mit dem Spanischen. Das faengt ganz offensichtlich mit dem verdammten R an. Ich versuche es, ich tu mein Bestes und am Ende fragt mich doch wieder irgendwer, ob ich Franzose sei. Denn das schoene Rollen, dass ueber spanischsprechende Zungen kommt verliert sich bei mir zu einem lallenden L…

Aber ach die Sprache selber hat seine Tuecken. Obwohl sie mir im Vergleich mit z.B. dem Polnischen wesentlich kleiner vorkommen. Einige Mexikaner sind zwar der Meinung, Spanisch sei eine der schwierigsten Sprachen der Welt – ich bezweifle dies jedoch! Im Gegenteil, zu Beginn des Spracherwerbs kommt das Spanische dem wissbegierigen Studenten sehr entgegen; durch einen erstaunlichen Mangel an Verben.

Mein Lieblingsbeispiel in diesem Fall: tocar – beruehren.

Waehrend man auf Deutsch die Gitarre “spielt”, den Knopf “drueckt”, die Klingel “klingelt” oder “schellt”, jemanden “beruehrt”, man “dran” ist oder eine CD “abspielt” wir das im Spanischen alles mit tocar erledigt: tocar la guitarra, tocar el buton, tocar el timbre, tocar a algien, te toca a ti, se toca el disco.

Wir sparen uns in diesem Fall also schon man eine handvoll Verben samt Deklination zu lernen.

Auch die Deklinationen sind im Spanischen recht sparsam: Gibt es im Polnischen etwa 3 (oder waren es 4?) verschiedene Verbendungen die mit verschiedenen Deklinationen verbunden sind, ist es im Spanischen mit 3 Verbendungen getan, die nur in 2 verschiedene Deklinationen muenden die wiederrum nicht bei allen Personen unterschiedlich sind.

In Mexiko versucht man diese Armut an Worten auszugleichen, indem man die fantastischsten Bezeichnungen fuer Essen erfindet. Gerichte, die fuer uns Unwissende wie zwei Varianten des gleichen Rezeptes aussehen haben in Mexiko oft ganz unterschiedliche Bezeichnungen. Bei Chilaquiles sind sie noch vernuenftig, die Mexikaner. Sie werden bloss nach der Sosse in rote und gruene Chilaquiles geteilt. Bei anderen Gerichten die Tortillas involvieren sieht das schon ganz anders aus! Ein Taco ist eine mit Fleisch gefuellte kleine Tortilla. Eine Quesadilla die Version in gross, mit Kaese. Jedoch kann man auch Quesadillas ohne Kaese bestellen, was mich verwirrt (Queso heisst Kaese). Tacos Arabes (Arabische Tacos) sind je nach Quelle aus Weizentortillas hergestellt oder mit anderem Fleisch gefuellt. Gringa ist auch ein Taco, ich habe noch nicht herausgefunden, was der Unterschied zum “normalen” Taco ist… Und so geht es ewig weiter. Wir der Taco fritiert, angebraten oder gerollt statt geklappt aendert sich der Name sofort! Es ist eine Sysyphusarbeit diese ganzen Namen zu lernen!

Noch mehr, als sich die Mexikaner da selber gar nicht gruen sind: Eine Gordita (“kleine Dicke”) heisst woanders schon Mermela und jede Stadt, jeder Staat, jede Familie schwoert auf seine ganz eigene Zubereitungsweise – wobei die Unterschiede fuer Uneingeweihte oft schleierhaft sind!

Differenzierungsschwierigkeiten ergeben sich in Mexiko auch zwischen der hoeflichen Anrede “Sie” und dem reden ueber Dritte “Er, Sie, Es”, ebenso zwischen “ihr” und dem Plural “die”. Denn das in Spanien gebraeuchliche “Vosotros” (Ihr) wird in Mexiko nicht benutzt. Stattdessen sagt man “Ustedes” (usted = Sie) und spricht eine Gruppe in der dritten Form Plural an. Also statt “kommt ihr aus Deutschland” “Kommen sie aus Deutschland, ihr?”. Die Hoeflichkeitsform “Sie” wird ebenfalls in der dritten Form, singular, angesprochen: “Hat er schon die Kathedrale besichtigt?”

Das fuehrt manchmal zu Problemen. Gestern gab ich einem Mann im Bus das verlorene Ticket seines Sitznachbarn und sagte, “das ist sein Ticket”. Auf Spanisch ist leider nicht zu unterscheiden ob ich nicht sagen wollte “Das ist Ihr Ticket”….

Etwas, dass man in einem Jahr wohl kaum lernen kann sind die Sprachwitze, die Doppeldeutigkeiten auf die viele Mexikaner ganz besonders stolz sind. Aber wenn man dann doch mal einen versteht, kann man in ja mal im Internet veroeffentlichen:
“Aqui tienes mi numero. Llamame.” (Hier hast du meine nummer. Ruf mich an.)
“Yo tambien” (ich auch) – der Witz bei der Sache: Llamame hoert sich an wie Ya mame (ich habe schon Oralsex praktiziert)

Wir beenden diese Lektuere also mit zurueckhaltendem Gelaechter…… ha…ha….h…hmmm

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s