Während in Europa der Schnee vom Himmel rieselt und mich “du hast es wenigstens warm”-Nachrichten ereichen sieht es vor meinem Fenster doch ein bisschen anders aus, als viele sich Mexiko vorstellen.
Denn es regnet, und das gar nicht mal so wenig.
Mein Chef sagt, das sei gar nicht so normal, dass es um diese Jahreszeit so ausdauernd regnet und macht die Abholzung der Puebla umgebenden Wälder dafür verantwortlich, dass die Jahreszeiten verrückt spielen.
Das Fernsehen überträgt allerdings Überschwemmungsbilder aus Mexiko Stadt und verlangt so eine weiterreichende Erklärung.
Die betroffenen Bürger machen die mangelnden Abwasserkanäle dafür verantwortlich dass mit aller Regelmäßigkeit ihre Stadt im Wasser versinkt. Die Verwaltung verweist auf übermäßig starke Regenfälle und ich – ich schlage kurz nach und denke: Wenn dort, wo heute Mexiko Stadt steht, früher einmal der Abflusslose Texcoco-See lag ist es vielleicht gar nicht mal so überraschend wenn die Stadt für Überschwemmungen anfällig ist….
(Aber keine Angst: Puebla ist nicht überschwemmt – von einigen Straßen mal abgesehen auf denen locker 1 Meter Wasser steht)
Tamales: Ein mexikanisches Gericht aus Maismehl mit knödelartiger Konsistenz, das üblicherweise in Maisblätter gewickelt verkauft wird. Kann süß oder herzhaft sein, oft gefüllt mit scharfem Fleisch. In Puebla werden Tamales gerne im Brötchen gegessen.
Und heute, am 2.Februar, bedurfte es viel Zufall den Tamales zu entegehen. Denn ganz Mexiko versammelte sich heute irgendwo um Tamales zu essen und Atole (ein Maisgetränk) zu trinken. Und das hat was mit Weihnachten zu tun. Abgefahren, oder?
Das ganze ist nämlich so, dass die Mexikaner sich sehr auf die heiligen drei Könige freuen, die hier magische drei Könige heißen. Denn am Tag ihrer Ankunft werden traditionell die Weihnachtsgeschenke verteilt (in manchen Familien inzwischen sowohl als auch am 24. Dezember, in den meisten aber nur noch am 24.). Außerdem gibt es ein ganz spezielles Gebäck für diesen Tag: Den Königskranz (Rosca de reyes).
Der ist mit viel Symbolik umwoben und mit verschiedenen gelatineartigen Fruchtersätzen belegt und wird unter dem begeisterten Johlen der Anwesenden reihum angeschnitten. Denn er birgt ein Geheimnis (oder besser: mehrere): Ein Baby (oder besser: mehrere).
Es handelt sich dabei um eine Darstellung des frisch geschlüpften Jesuskindes (endlich mal ein Jesus ohne Kreuz) der, je nach Preis des Kranzes, aus Porzellan oder unglaublich hässlichem Plastik besteht.
Wer einen kleinen Jesus in seinem Stück Kranz findet wird belohnt. Und an dieser Stelle muss ich ein bisschen ausholen – Belohnung ist halt so eine Sache in Mexiko. Wie viele von euch vielleicht wissen vergnügten sich die Azteken, Zapoteken, Mayas, Olmeken, und wer sich sonst noch so vor Cortez’ Ankunft in Mexiko rumtrieb, ganz gerne mit einem Ballspiel, dem Juego de Pelota*. Ebendieses Spiel hatte gleich mehrere Funktionen – es diente zur Diversion, um Streitigkeiten sportlich auszutragen und auch zu religiösen Zwecken. Ja, man spielte Sport zu Ehren der Götter. Und da will natürlich jeder der Beste sein – umsomehr wenn ein attraktiver Preis lockt. Denn der Gewinner durfte (nicht in allen Kulturen Mexikos) zu Ehren der Götter sterben. Man schnitt ihn auf, rupfte ihm das Herz raus und ließ ihn so in die göttlichen Sphären schweben. Würde da nicht jeder beim Pelotaspiel gewinnen wollen?
Zurück zu den Dreikönigskränzen – auch hier wird der Gewinner, ganz mexikanisch, belohnt. Denn er darf den Rest der Horde am 2. Februar zu Tamales und Atole einladen. Top, oder?
Wie auch immer ich es gemacht habe – ich bin heute den Tamales entkommen. Doch am Donnerstag gibt es kein Perdon. Denn ich habe das Baby bei Siijuve gezogen und darf deswegen mit 7 Tamales im Gepäck anscheppern. Na dann: Mahlzeit!
*Ein überaus kreativer Führer in Monte Alban erzählte uns, neben anderem Schmarrn, dass Pelota (Ball) von Pelo (Haar) herrühre, weil die ersten Bälle aus Haar bestanden hätten. Das Diccionario de la lengua espanola leitet das Wort allerdings vom lateinischen pila ab.
Jaja, ich weiß: Auslandsjahr, wie aufregend! Aber mal ehrlich, auch im wilden Mexiko schleicht sich irgendwann Routine und Langeweile ein und dagegen muss etwas unternommen werden!
Also habe ich endlich mal den Hintern vom Sofa hochbekommen (was zugegebenermaßen schwierig war) und habe mir einen Gitarrenhelden gesucht, der mir den Marsch balsen kann und mir für ein paar Scheinchen eine Gitarre gekauft die ich zerklaufen kann. Und schwupps: Endlich lerne ich mal so richtig wirklich spielen! Der Vorteil meines bisherigen Rumgeklampfes ist, dass ich den ersten Kursteil statt in drei Monaten wohl in drei Sitzungen geschafft haben werde. Fein, nicht?
Dann aber wieder ist Gitarrespielen ein schmerzhaftes Unterfangen. Nicht nur, dass die Finger, wie zu erwarten war, Schmerzsignale senden, nein, auch der Rücken tut weh und mein unbeholfenes Gezupfe lässt meine Muskeln verkrampfen.
Aber auch da lässt sich Abhilfe schaffen, denn schon fand Julchen für mich eine nette Yogalehrerin, die zweimal die Woche zu fremdländischen Klängen aus der Konserve Anweisungen gibt wie: “Jetzt die Knie beugen und in die Position Hund übergehen, wir heben den rechten Arm, das rechte Knie schwebt knapp über dem Boden und jetzt langsam nach links und rechts balancieren…”
Nun ja, so lustig das auch aussieht – es ist anstrengender als gedacht! Und der Erfolg der ersten Einheit war, dass meine Muskeln jetzt noch mehr Schmerzen….
Also lieber ab ins Bett und “”OHMMMMMMM”…..
Habe ich nicht schon über Widerholungen geschrieben? Ganz sicher, man widerholt sich im Leben schon mal. Schon als Kind hat mich das gestört: “Mama, warum muss ich mir die Zähne putzen, wenn sie doch gleich wieder dreckig werden?”
Erwachsenwerden heißt, unter anderem, mit Widerholungen zurechtzukommen. Es mag an meinem übermäßig kindlichen Gemüt liegen, dass ich sie noch immer nicht leiden mag – ich mag zum Beispiel selten einen Film zweimal sehen – aber Tatsache ist, dass ich sie inzwischen aushalten kann. Aushalten muss!
Denn zufällig habe ich mich für einen Freiwilligendienst in einer Schule für geistig Behinderte beworben und musste lernen, dass man dort mit wenigen Worten auskommt – man widerholt sie nur sehr häufig. Heute etwa arbeitete ich mit Mario, den man alle paar Sekunden daran erinnern kann, seine (erstaunlich lange!) Zunge wieder einzurollen. Wenn ich jetzt so darüber nachenke: Vielleicht ist seine Zunge ja einfach zu groß für seinen Mund! Aber auch andere Schüler lieben Widerholungen: Richy liebt es mir zehnmal am Tag die Hand zu zerquetschen (ich habe das Gefühl er wird langsam immer stärker!), Jahaziel bittet alle paar Minuten um eine kleine Massage, Beto geht lieber noch einmal auf Nummer sicher, ob man Tomaten mag “A usted! Gustan Jitomates, a usted!” und wenn Christian nicht fragt “Senor, donde estamos?”, Herr, wo sind wir? dann liegt irgendwas im argen.
Aber was plapper ich schon wieder von meinen Schülern? Wo doch Widerholung nichts mit geistiger Behinderung zu tun hat. Auslöser kann auch eine fremde Staatsbürgerschaft sein. Deutsch zu Beispiel. So werde ich fast jeden Tag von irgendwem für mein gutes Spanisch gelobt und muss dann erklären, wie es dazu kommen konnte. Agnes, die seit drei Jahren hier lebt, ergeht es nicht anders.
Und dann noch das: “Wie, dir ist kalt? Du kommst doch aus Deutschland!”
Ja, es ist wahr: Ich komme aus Deutschland. Und ja, es stimmt: Dort ist es sehr viel mehr ganz dolle ziemlich kälter als hier. Es liegt sogar Schnee,ein Stoff der so wertvoll ist, dass man bei Ebay 130 Euro für ein kleines Tütchen bezahlen muss, und der damit unerschwinglich für die meisten Mexikaner bleibt. Und, hey, so kalt ist es hier doch gar nicht! Tagsüber lag das Minimum bei knapp unter zehn Grad, Nachts kann es halt mal gut Null werden, aber das ist doch gar nichts! Sagt sich ein deutscher Sesselpupser, und damit bist genau DU gemeint, werter Leser. Oder ICH, zumindest bis vor wenigen Wochen dachte ich noch so.
Dann aber erlebte ich, was es wirklich bedeutet diese Temperaturen in Mexiko zu erleben. In einem Land in dem es keine Heizungen gibt. In dem Unter den Haustüren eine Zentimetergroße Lücke Luft hereinlässt. Indem Fensterscheiben noch immer einfach verglast und in Aluminium geramt sind. In dem folglich die Temperatur im Haus der Temperatur vor dem Haus entspricht.
Halt!
Eigentlich ist es noch viel kälter. Denn die Häuser sind so schön aus Stahlbeton, dass die Sonne, die draußen alles ein bisschen erwärmt, ihre Kraft nicht bis in die Wohnräume tragen kann.
Darum sitzt man dann also in Winterjacke beim Mittagessen. Darum schläft man mit Schlafsack unter drei Decken. Darum ist man nach einigen Tagen Kälte so zermürbt, weil es nirgends einen Ort zum aufwärmen gibt, dass man am liebsten das Mobiliar anzünden würde um wenigstens etwas Hitze zu spüren. Aber wenigstens kann man dann mal die neueste Mode ausprobieren:
Doch es gibt auch gute Nachrichten von der hiesigen Kältefront: Sie geht schnell wieder vorbei. Sicherlich, noch immer laufen hier und da Leute mit Schal vor dem Gesicht und dicker Pudelmütze rum. Aber in Wirklichkeit ist bereits Frühlingswetter, Pulliwetter, Sonnenschein und Fröhlichkeit. Winterende!
Und wenn das immer noch nicht reicht gehe ich mal wieder zum Tomatenpflücken in das Projekteigene Gewächshaus. Mehrere Tonnen haben wir da jetzt schon rausgeholt. Zum Beispiel mit Jahaziel:
Ganz ehrlich: Keine Ahnung warum mich Menschen so seltsam ansehen, wenn ich sage, dass ich im München Mexikos lebe. Das liegt doch auf der Hand, diese drastischen Übereinstimmungen, das kann man doch gar nicht verneinen, oder?
So ist Puebla zum Beispiel tief katholisch. Eine Eigenschaft, die auch auf die bayrische Hauptstadt zutrifft. Außerdem ist die Stadt eine sozialdemokratisch regierte Insel in einem konservativ-marktliberal regierten Land. Die Frauenkirche hat zwei Türme, so wie die Kathedrale in Puebla, und sowieso…. ist doch so, nicht?
Na gut, ich sehe schon, meine Argumentation ist nicht die stärkste. Ich habe bisher nicht überzeugen können, eure Zweifelsfalten auf der Stirn sind durchaus berechtigt, wenn sie auch nicht schön anzusehen sind. Also will ich sie schnell mal durch ein unschlagbares Argument glätten: Berge!
Immer wieder trifft man auf Münchner die total begeistert vom Föhn-Effekt erzählen: Sind die Alpen normalerweise eine Randerscheinung am Horizont, weit, weit weg, so zoomt der Föhnwind sie auf einmal heran und zaubert angeblich ein einmaliges Lebensgefühl in die Stadt.
Ich sag nur: ällabätsch, das hamwa hier auch!
Nicht nur, dass Puebla mal eben über 2000 Meter hoch liegt (was einem eine tolle Ausrede für Schwächeanfälle liefert “Ich bin nicht unsportlich, das ist die Höhe!), nebenbei ist die Stadt der Helden und Engel auch noch von vier der höchsten Berge Mexikos umzingelt.
In der Ferne tront der Pico de Orizaba, der mit 5747 der höchste Berg Mexikos ist und momentan bis weit nach unten wunderschön bepuderzuckert ist. Hinter der Pyramide von Cholula erhebt sich, schon wesentlich näher, das Geschwisterpärchen Iztaccihuatl (kurz:Izta, “die weiße Frau”,5268m) und der sie bewachende Popocatepetl (kurz: Popo, “rauchender Berg”, 5462m) der eigentlich jeden Tag seinem Namen die Ehre gibt und kleine Wölkchen in die Luft pustet. Und dann ist da noch der Hausberg Pueblas, la Malinche, benannt nach der Übersetzerin des Eroberers Cortes, der Mutter des mexikanischen Mestizentums, deren Gesicht man mit etwas Vorstellungskraft in der Bergspitze des 4461m hohen Vulkans erkennen kann.
Und all diese Himmelsstürmer verschwinden tagtäglich hinter Häusern, zwischen Wolken, in einer Smokglocke oder einfach nur unter Gewohnheit. Doch ab und an gibt es so einen Tag, an dem ist die Luft so klar, dass das Gehirn aufatmen kann, dass die Augen sich vom Asphalt heben und dass die Gestalt der vier Riesen bis ins Stadtzentrum tritt. So ein Tag war heute.
Und wenn man dann so durch die Gegend fährt, über den Periferico braust, hügelauf und hügelab, dann kann man seine Augen gar nicht mehr abwenden von der wunderschönen Attraktion, die uns Onkel Geographie schenkt.
Leider kann ich das ganze Spektakel nicht so eindrucksvoll festhalten wie die Wirklichkeit es präsentiert. Aber für einen Eindruck reichts:
und noch Eindrücke die man im Internet finden kann:
Das Schönste am Reisen ist das Zurückkehren. Nicht nur, weil man endlich den schweren Rucksack loswird und sich wieder heimisch fühlen kann, sondern auch weil in der vertrauten Umgebung manchmal Veränderungen für schöne Überraschungen sorgen.
Zunächst einmal muss man aber wegfahren, um zurückkehren zu können. Deswegen schwänzte ich ab Mittwoch meine Arbeit und reiste gemeinsam mit den anderen Freiwilligen nach Oaxtepec im Bundesstaat Morelos, etwa zwei Stunden westlich von Puebla. Das Gute daran war nicht nur, dass wir drei Tage weniger arbeiten mussten, sondern besonders, dass in Oaxtepec ein herrliches Klima herrschte. Während wir in Puebla halb erfroren konnten wir in Oaxtepec fröhlich ins Freibad springen.
Das Ganze hatte natürlich einen ernsten Hintergrund: Das Halbjahrescamp stand an. Ein Luxus das uns das Weltwärtsprogramm garantiert in der Intention, dass wir über unsere bisherigen Erfahrungen, unsere Probleme, Identität und Zukunftspläne diskutieren. Nebenher gab es dann natürlich auch noch Fiesta, Go-Kart, Schwimmen und eine Menge Spaß.
Leider lässt die sprichwörtliche doppelendige Wurst uns immernoch mit einem Ende für alles andere über. Und so kam auch unser fröhliches multinationales Ferienerlebnis am Sonntag zum erliegen. Und so kam ich, nach unserer Rückkehr, in den Genuss der schönsten Art von Veränderung die man sich wünschen kann: Die, dessen Ergebnisse man genießen kann, ohne von den Umbauarbeiten belästigt worden zu sein.
Um es kurz zu machen: Seit Sonntag besitzen wir eine Klospülung und haben damit endlich wieder mexikanischen Klostandart erreicht.
Auch das Waschbecken hängt wieder fest an der Wand und kann ohne darunterstehenden Eimer benutzt werden.
Ich liebe Reisen! Schöne neue Klowelt – Hurra!
In jedem Land gibt es wohl etwas, das man als Nationalsport bezeichnen könnte. Die Kanadier haben Eishockey, die Franzosen Boule und die Deutschen Fussball. Auch in Mexiko gibt es eine sehr typische Sportart: Den Lucha Libre (freien Kampf = Wrestling).
Die Kämpfer sind Berühmtheiten, ihre Gesichtsmasken echte Sammlerstücke und eigentlich ständig läuft auf irgendeinem Fernsehkanal ein Kampf. Alle unsere Schüler in CIPAAC sind beigeisterte Fans und können nicht verstehen, dass ich den Lucha Libre nicht so spannend finde.
Dabei konnte ich nie verstehen was denn daran so toll ist Männern dabei zuzusehen wie sie sich verprügeln und dabei Machosprüche brüllen. Aber zu einem Austauschjahr gehört, dass man alles Wichtige mal ausprobiert – und so ging ich diesen Montag in die poblanische Lucha Libre Arena.
Und kam mit einer anderen Meinung wieder heraus!
Zunächst erstaunte mich das Publikum: Der Frauenanteil war ziemlich hoch, viele Familien kamen mit ihren Kindern zum Event. Und die Stimmung war gut. Es wurde unflätig geschrieen, ordentlich getrommelt und immer wieder sprangen verschiedene Zuschauer fäusteschüttelnd auf – und doch war die Atmosphäre grundsätzlich friedlich.
Außerdem war ich von den Kämpfern überrascht: Neben den erwarteten geschauspielerten Schlägereien und übertriebenen Machoposen war vor allem eine unglaubliche Akrobatik zu sehen. Da wurden Rückwärtssaltos gesprungen, übereinandergehopst und umeinandergewirbelt dass es jeden mittelmäßigen Zirkusartisten vor Neid erblassen ließe!
Nebenbei ließen einige Kämpfer noch eine lustige Ader durchblicken. Ein kleiner Dicker Dirk Bach rannte forsch vor und gab seinen drei Gegnern je eine (falsche) Maulschelle um vor seinem Schwarzeneggerfreund angeben zu können. Dann jedoch bekam er ordentlich Beine gemacht und rannte heulend zurück um sich in kindlicher Manier bei “Mammi” auszuweinen – Schwarzenegger hat ihn in den Arm genommen und das Problem dann für ihn erledigt.
Es ist auch schön zu sehen wie die Ringkämpfer in ihrer übertriebenen MännlichkeitsMuskelStärkeMachoRolle immer wieder in Positionen landen, die ein gewisses homoerotisches Potential haben.
Ganz ehrlich: Ich finde Lucha Libre inzwischen wesentlich zivilisierter als das in Deutschland gesellschaftlich so anerkannte Boxen. Denn anstatt zwei Leuten zuzuschauen, die sich die Nasen blutig, die Zähne aus und die Hirne kaputtschlagen freut man sich beim Lucha lieber über einen gelungenen Salto, über einen gewagten Sprung oder eine lustige Showeinlage. Auch wenn man dabei FickdeineMutter ruft – ein Spektakel für die ganze Familie!
Eine Einschätzung, die mich selber etwas verwundert
Hier Eindrücke von einem Kampf in der Arena Puebla:
In unseren ersten Monaten in Mexiko liefen wir häufig ins Kino, besonders am Mittwoch, wenn man die neuesten Filme (auf Englisch mit Untertiteln) für umgerechnet 1 Euro fünfzig anschauen kann. Eines Tages hockten wir also mal wieder vor der Leinwand als ein mexikanischer FIlm gezeigt wurde – el estudiante, der Student. So richtig viel von den Dialogen verstanden wir nicht, umso mehr nahm uns die Filmkulisse gefangen. Denn die Geschichte eines studierenden Seniors wurde im bezaubernden Örtchen Guanajuato erzählt, einem ehemaligen Bergwerkstädtchen in den zentralen Bergen. Nachdem die Weihnachtsfeierlichkeiten beendet waren lösten Juliane und Romeo (das bin dann ich) also Fahrscheine für den etwa 6 Stunden entfernten Ort und ließen uns auf der Autopista in den Schlaf schaukeln. Als wir ankamen war es schon tiefe Nacht, der Bus spuckte uns in eine kleine Busstation (diese Centrales de Autobuses sind deutschen Bahnhöfen nicht unähnlich) aus die einige Kilometer außerhalb der Stadt lag. Wir wagten uns, mit dem Lonely Planet bewaffnet, in ein Taxi das uns zum Casa Berta brachte. Und während das Autochen sanft die Kurven nahm und zufrieden durch Tunnels und über Brücken brummte verliebten wir uns in unser Ferienziel. Vor den Fenstern zogen malerisch verwunschene Gässchen, süße Parks, schläfrig beleuchtete Straßen und Steinhäuser aus einem anderen Jahrhundert vorbei. Casa Berta lag dementsprechend einige Treppen hinauf durch meterschmale Häuserschluchten von der Hauptstraße entfernt und begrüßte uns trotz der späten Stunde (halb 2) zuvorkommend und mit einem Lächeln.
Am nächsten Morgen stiegen wir ersteinmal auf die Dachterasse, die mit einer kleinen Küche bestückt war, und frühstückten mit bezaubernder Aussicht.
Guanajuato erstreckt sich entlang einiger kleiner Täler und ist vor allem als Geburtsort des Unabhängigkeitskämpfers Hidalgo und als Silberstadt bekannt. Das kleine Dörfchen lieferte nämlich jahrelang gut ein Viertel der Weltsilberproduktion im Alleingang ab. Und das sieht man noch heute in Form wunderschöner Kirchen, einer grandiosen Universität und einer beeindruckenden Oper. Berühmt ist außerdem der Kornspeicher der Stadt, in dem sich die spanischen Kolonialsoldaten 1911 vor den heranrückenden Rebellen Hidalgos verschanzten und dessen Erstürmung wohl nur möglich war, weil einer der Aufständischen unter dem Schutz einer auf seinen Rücken gebundenen Steinplatte durch den Kugelhagel kroch und die Tore der Festung anzündete. Ihm ist heute eine Statue gewidmet zu der man mit einer niedlichen Steilbahn hinauffahren kann.
Außerdem punktet Guanajuato noch mit weiteren specials: So ist der Autoverkehr in der Stadt nur in ost-west Richtung erlaubt. Wer andersrum will muss einen der vielen vielen Tunnel benutzen die unter anderem in einem ehemaligen Flussbett untergrebracht sind. / Die Straßen sind – im Gegensatz zu fast allen anderen Kolonialstädten – nicht schachbrettartig angelegt sondern herrlich krumm / Die Erde in der Region ist so trocken und mineralhaltig, dass beerdigte Leichnahme oft schon nach fünf Jahren mumifiziert sind, besonders “schöne” Exemplare (darunter die “kleinste Mumie der Welt”-ein Baby) sind im städtischen Mumienmuseum ausgestellt / Guanajuato hat die Tradition dass Nachts singende Gruppen von Männern / Frauen durch die Straßen ziehen und sich an einem bestimmten Punkt treffen – früher am Wochenende, heute für die Touristen mehrmals täglich / hier spielte die mexikanische Version von Romeo und Julia: Im Kussgässchen wohnte eine Reichentochter und ihr geliebter Bergarbeiter einander gegenüber. Das Gässchen ist so schmal, dass sie sich von den Balkonen aus Küsschen konnten. Irgendwann flog das natürlich auf… / Guanajuato hat das weltweit beste Museum bildender Kunst zum Thema Don Quijotte und veranstaltet jährlich das amerikaweit berühmte Festival Cervantino zu Ehren des Autors Cervantes / Die Universität erfüllt das 120.000 Einwohnerstädtchen mit über 25.000 Studenten / auch wenn man in Touristenströmen erstickt – die Stadt ist die Reise wert!!!
Von Guanajuato brachen wir bereits nach zwei Tagen auf zu neuen Ufern – Querétaro.
Die Stadt mit dem Aquädukt
Eigentlich hatte ich mir das alles anders gedacht. Eigentlich wollte ich so einen schönen Bogen nach Osten schlagen und von Norden aus zur Hafenstadt Veracruz gelangen. Nun ja: Wer sich informiert ist klar im Vorteil! In Guanajuato mussten wir feststellen, dass die Busverbindungen nach Veracruz stets über Puebla führen. Wir waren also gut sechs Stunden nach Norden gefahren um die gleiche Strecke wieder zurückzufahren – plus vier Stunden mehr bis Veracruz. Um dem Ziel in Etappen näher zu kommen entschieden wir uns nach Querétaro zu fahren, einer Stadt, deren Namen ich zwar kannte, die mir aber absolut nichts sagte.
Dabei ist es doch ganz nett dort! In der Innenstadt gibt es wunderschöne Plätze und die alte Silberstraße die aus Norden kommend nach Mexico City führte schlängelt sich angenehm durch das starre Rechteckmuster der Kolonialstraßen. Nachts trällerten auf dem Hauptplatz einige Mariachis und kostümierte Gespenster luden zur Geisterstunde ein.
Wir nahmen das Angebot an und ließen uns vom ehemaligen Stadtherren in verschiedene Hinerhöfe entführen, wo uns die jeweils passende Legende von erfrierenden Gutsherren, von Katzen gefressenen Omis oder der mysteriösen Llorona (die in ganz Mexiko zur Zeit der spanischen Eroberung nachts nach ihren Kindern schrie) erzählt wurde.
Am nächsten Tag erkundeten wir die Stadt zu Fuß, trotteten den Berg hinauf zum Denkmal einer Unabhängigkeitskämpferin die Geheimnisse durch Schlüssellöcher verriet, zum Aussichtspunkt von wo aus man den riesigen Aquädukt bewundern kann, der noch heute Wasser in die Stadt bringt, und in ein verstecktes Café, dass uns mit Kunstwerken und englischen Zeitschriften lockte. Dermaßen an die Kaffeetasse gefesselt schafften wir es nicht mehr bis zum Denkmal des in Querétaro erschossenen kurzzeitigen mexikanischen Kaisers Maximilian, aber es soll ganz hübsch sein.
Schon nach vierundzwanzig Stunden verließen wir die Stadt mit dem Aquädukt wieder – adiós Querétaro, du sagst mir immer noch nicht viel mehr als vorher!
Als ich neulich Luz’s Mama erzählte, dass mein Vater mich über Ostern besuchen will, und wir gemeinsam reisen wollen machte sie ein ernstes Gesicht. Ich müsse bis dahin aber fleißig sein, sagte sie, und mir möglichst viel von Mexiko ansehen, damit ich meinen Vater auch an die schönsten Orte des Landes führen könne. Und dann tat sie was schon so viele vor ihr getan haben: Sie überschwemmte mich mit den Namen von mehreren Dutzend wundervoller Ausflugsziele von denen ich mir nicht einen Einzigen merken konnte.
Trotzdem, sie hat ja recht. Und ich nehme meine Verantwortung durchaus ernst. Daher bin ich fast jedes Wochenende irgendwohin unterwegs um Neues kennenzulernen, Fotos zu schießen und meine unzulänglichen Mexikokenntnisse auf einen akzeptablen Stand zu bringen. Ihr habt davon bisher noch nicht so viel mitbekommen weil mir zu Anfang die Zeit und jetzt das Internet fehlt um meinen Blog adäquat zu bestücken.
Leider ist es nämlich so, dass das Internet in meinem Zuhause abgeklemmt wurde und erst wieder in Gang kommen soll, wenn meine Brüder ihre horrende Telefonrechnung bezahlt haben. Kann also dauern! Bis dahin muss ich mir anderweitig behelfen, nämlich mit Internetcafés. Die sind hier zwar recht günstig (max. 1Euro die Stunde) aber dafür gibt es leider keins in der Nähe unseres Hauses. Es bleibt also schwierig.
Reisen hingegen ist so einfach!
Man nimmt einfach den nächsten Bus zum CAPU, dem zentralen Omnibusbahnhof, und fährt schon nach kurzer Zeit nach wohinmanwill los. Die Tickets sind vergleichsweise billig, besonders wenn man etwas schäbigere Busse nimmt, und wenn man einen (immer noch günstigen) Aufpreis bezahlt fährt man sogar so luxuriös, dass man über Nacht gut schlafen kann. In einigen Bussen sind sogar nur drei Sitze nebeneinander, es gibt Beinablagen, eine Cafeteria und zwei Toiletten (normalerweise nur eine). Immer wird man mit Filmen versorgt, oft bekommt man auch Saft, Wasser und ein Sandwich gereicht. Was auch nötig ist, denn die Entfernungen sind groß. 5-8 Stunden im Bus sind keine Seltenheit. Außer, man will nach Mexiko City.
1. Mexiko City
Mexiko City ist gleich hinterm Popo (und damit ist der Popocatepetl gemeint) und für fünf Euro bringt einen alle zwanzig Minuten ein Bus hin. Zwei Stunden später ist man dann in einer der Weltgrößten Metropolen und kann sich vergnügen. Zum Beispiel indem man auf ein Toten Hosen Konzert geht, auf der Avenida Reforma rumspaziert, den zweitgrößen Innenstadtplatz der Welt besichtigt, das riesige Antropologiemuseum anschaut, mit bunten Booten und Mariachis durch Xochimilco schippert oder mit der Metro durch die Stadt flitzt.
Die Metro wiederrum hielt einige Überraschungen für mich bereit. Zum Ersten war da der Preis. In Puebla bezahlt man für eine Busfahrt 5 Pesos (25 Cent), in Veracruz gar 6 Pesos, und wer den Bus wechselt muss neu bezahlen. In Mexiko City aber gewährt die Metro für schlappe 2 Pesos Eintritt und man kann so oft umsteigen wie man will!
Die zweite Überraschung war, wie gut organisiert die Metro ist. An Umsteigestationen gibt es getrennte Gänge für sich begegnende Menschenmassen, die Beschilderung enthält Bilder, so dass auch Analphabeten wissen an welcher Station sie sind und der ganze Betrieb ist sauber, leise und angenehm. Und das obwohl das Metrosystem in DF nach New York City das größte in ganz Amerika ist!
Die dritte Überraschung war technischer Natur. Was, würdest du denken, ist der größte Unterschied zwischen einem Bus und einer U-Bahn? Offensichtlich, dass sie unter der Erde fährt, aber sonst? Meiner Meinung nach der, dass die U-Bahn ein Schienenfahrzeug ist das ihre Effizienz vor allem aus dem geringen Reibungswiderstand von Eisenreifen auf Eisenschiene gewinnt. Die mexikoanische Metro scheint von diesem Vorteil nicht viel zu halten. Sie bewegt sich auf Gummireifen vorwärts und wird von seitlich angebrachen Gummireifen in der Bahn gehalten. Das verhindert zwar unangenehme Kreischgeräusche, was aber ansonsten ausschlaggebend für diese Technik ist bleibt mir schleierhaft. Wenn ihr mehr wisst: Kommentarfunktion!
Interessant an DF („DeEffe“ districto federal – oder auch nur „mexico“) ist, dass die Stadt es geschafft hat bei mir und meiner Mitfreiwilligen Lisa ganz unterschiedliche Eindrücke zu hinterlassen – obwohl wir zur gleichen Zeit dort unterwegs waren. Ich hatte einen alles verschlingenden Moloch befürchtet, Verkehrschaos, Verschmutzung und Menschenmassen – aber eine liebenswerte Großstadt vorgefunden die allerlei interessantes und erstaunlich viel Grün zu bieten hat. Lisa hingegen kam ganz gestresst aus DF zurück und ächzte über die Enge, die Menschenmassen und den Schmutz. Gut also, dass wir die Probe aufs Exempel machten und gemeinsam kurz vor Weihnachten noch einmal in die Stadt fuhren. Eigentlich hatte es nach Guadelajara gehen sollen- aber eingeschränkte Buskapazitäten und unsere übermäßige Sponteinität machten dem einen Strich durch die Rechnung. So konnte ich Lisa zeigen, dass es im Schwulenviertel Zona Rosa (ja, sie heisst wirklich so!) und im angrenzenden La Roma ganz bezaubernd ist und Lisa konnte mir zeigen, dass es in der Innenstadt und der Metro ganz schön nervig voll sein kann. Wir sind also quitt. Mexiko ist zu groß um nur eins zu sein.
Neben einem (viel zu kurzen) Ausflug ins vielbeschworene anthrophologische Museum der Stadt, einem Gratiskonzert des Sängers Placido Domingo und dem angeblich größten Weihnachtsbaum der Welt machten wir uns auch auf den Weg nach Xochimilco, einer Art Remmenissenz der Stadt Tenochtichtlan, der Vorgängermetropole von DF. Denn diese schwamm in einem gigantischen See und ernährte sich durch ein spannendes System aus schwimmenden Gärten. Diese verlandeten irgendwann und alles was von der großen Pfütze übrig geblieben ist sind ein paar Kanäle in Xochimilco auf denen heute hunderte bunte Boote entlangschippern in welchen wiederrum tausende Mexikaner tequilatrinkend Mariachilieder schmettern ihre Wochenenden verbringen. Dass die Stadt die einem riesigen See entsprang heute unter Wasserknappheit leidet ist eine bittere Ironie der Geschichte. Oder Stadtplanerische Unfähigkeit.
Kein Wunder dass wir bald versuchten der Stadt zu entkommen un einen kleinen Ausflug zu den Schmetterlingen unternahmen.
Monarchfalter im Winterschlaf
Mit der Bahn zum Bus, mit dem Bus nach Michoacan und mit einem noch kleineren Bus bis in die Berghöhen wo die Schmetterlinge hausen. Dann Spießrutenlaufen durch das kilometerlange Spalier der Souvenierverkäufer und Bettelkinder und 40 Pesos (2 Euro) Eintritt bezahlen für einen Ort, an dem die Toiletten 3 Pesos kosten und “Venda” mit “B” geschrieben wird: Das Sanctuario de Maripossas el Rosario. Sofort nach dem Eintritt werden wir an eine ältere Dame verwiesen die mit Omajäckchen, Sommerschühchen und Handtäschchen unseren Aufstieg auf den Berg begleitet. Es muss sich dabei um eine Art mexikanische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gehandelt haben, denn obwohl der Weg gut durch Zäune abgegrenzt war und nur in eine Richtung führte, obwohl die Dame in ihren späten sechzigern uns merklich im Aufstieg ausbremste und obwohl sie keine einzige Frage nach den Schmetterlingen beantworten konnte schmarozte sie uns mit dem galanten Hinweis auf die höflichen Deutschen die stehts ein gutes Trinkgeld gäben ein solches ab.
Schlussendlich mussten wir uns also unsere Kenntnisse über diese ganz außergewöhnlichen Schmetterlinge selber aus Schildern, Infobroschüren und dem Lonely Planet zusammensuchen. Es handelt sich nämlich um eine Art Monarchfalter aus Kanada die hier, in Mexiko, überwintert. Überwintert? Leben denn die Viecher überhaupt lange genug? Ja – und nein. Denn um den ganzen Zyklus – Kanada, reisen, überwintern, zurückreisen- einmal zu werden ganze acht Generationen Schmetterling gebraucht. Umso erstaunlicher ist es, dass die kleinen Falter jedes Jahr wieder die gleichen mexikaischen Hügel und die selben Baumgruppen aufsuchen! Wenn man sich schon fragt: Wie kommt die Taube zurück in ihr Nest…
Die Herren und Damen Schmetterling versammeln sich also jedes Jahr in Mexiko und hängen sich zum ausruhen an die Bäume. Dann sind es gleich so viele dieser federleichten Geschöpfe, dass sich die Äste nach unten Biegen und der Wald erfüllt vom Surren ihrer Flügelschläge ist. Kommt die Sonne hinter den Wolken hervor lösen sich mehr und mehr der luftigen Tänzer aus den Klumpen am Baum und säuseln wie betrunken durch die Luft. Atemberauben!
Doch auch die eindrucksvollste Vorstellung hat irgendwann ihren Sättigungspunkt erreicht – in diesem Fall traten wir bereits nach 20 Minuten den Rückweg an, der uns weitere 3-4 Stunden kosten sollte. Aber wann kommt man sonst schon mal zu Schmetterlingen im Winterurlaub?
Irgendwie habe ich langsam das Gefühl, die Dinge widerholen sich. Zum Beispiel bin ich von Chemnitz, dem Manchester des Ostens, zum Erasmussen nach Lodz gegangen – dem Manchester Polens. Beide Städte haben eine Textilindustirievergangenheit – und jetzt bin ich im Manchester Mexikos gelandet. Auch hier finden sich Überreste einer gigantischen Textilindustrie.
Was alle drei St¨dte des weiteren vereint: Sie liegen in Ländern die über Jahrzehnte hinweg von sozialistischen Parteien regiert wurden. Wobei die DDR und Polen ja sehr wohl als ehemalig sozialistische Staaten bekannt sind, Mexiko taucht da eher selten auf den Listen auf.
Das hat ja auch seine Richtigkeit, denn obwohl die Partei mit dem schönen Namen “Partei der institutionalisierten Revolution” insgesamt 71 lange Jahre über die Mexikaner regiert hat – und damit die Kommunistische Partei Polens und die SED mit ihren lächerlichen 40 Jahren Alleinherrschaft in den Schatten stellt – hat sich Mexiko niemals kommunistischen Ambitionen hingegeben. Das hätten die netten Nachbarn im Norden vermutlich auch nicht zugelassen.
Trotzdem ergeben sich weitere Parallelen zwischen den drei Ländern. Und eine der (für meine Augen) sichtbarsten ist das schöne Plattenbauviertel “La Margarita”.
Es ist so gut sichtbar für mich, weil es direkt vor meinem Fenster beginnt, gleich hinter der vierpurigen Strasse. Es hat alles was sich ein kommunistischer Stadtplaner wünschen kann: Eine gigantische Hauptstrasse, sanft geschwungene Nebenstrassen, in regelmässigen Abständen unverständliche Betondenkmäler, Versorgungszentren, Plattenbauten, Betonspielplätze, Flachbauschulen, lokales Krankenhaus – ja sogar ein kleines Häuschen für das Nachbarschaftskomittee ist zu finden.
Umso erstaunlicher ist la Margarita für mich, als sich die poblanische Wohnkultur doch vor allem auf einstöckige Häuser erstreckt die den jeweiligen Besitzern gehören und die mit einer schönen Mauer (schöne = undurchsichtig) von den Nachbarn abgetrennt sind. Hier also ein Berg voll Gegenteil. Und das auch noch ohne Zaun drumrum. wow!